Im beschaulichen Saarlouis der 1980er Jahre erblickte ein gewisser Antonino Marco Salvatore Tumminelli das Licht der Welt. Geprägt von den Eindrücken seiner Umwelt und einer Schallplatte der Ersten Allgemeinen Verunsicherung entschied sich der quirlige Lockenkopf im Teenageralter seiner Leidenschaft, der Musik mit klugen deutschen Texten, nachzugehen. Dies tat er gemeinsam mit ein paar guten Freunden. Ihre Band Mega! Mega! beglückte jedes Jugendzentrum zwischen Zweibrücken und Merzig mit ihrem hyperaktiven Indierock. Als sie das Saarland durchgespielt hatten, zogen Antonino und seine Bandkollegen geschlossen ins weitentfernte Berlin, um ihre Karriere anzukurbeln. Von da an ging es ab: Plattenvertrag beim Major, eigene Tourneen, Festivals, Radio Airplay, Fernsehauftritte bei Stefan Raab und Harald Schmidt, bei Inas Nacht und sogar im unmenschlich früh gesendeten Morgenmagazin. Auch für Antonino als Songschreiber lief es gut, so sammelte er beispielsweise durch seine Mitarbeit an Max Herres Song "Jeder Tag Zuviel" eine goldene Schallplatte ein.
2020 sollte für Mega! Mega! wieder ein geschäftiges Jahr mit jeder Menge Festivals werden, doch dann kam etwas dazwischen, das so nicht absehbar war - eine globale Pandemie, die sowohl Konzerte als auch Proben im Bandkontext unmöglich machte. In der unfreiwilligen Kreativ-Isolation entschloss sich Antonino kurzerhand aus der Not eine Tugend zu machen und begann an seinem Soloprojekt zu arbeiten. Der Name, den er wählt, geht auf den ersten Hotelurlaub mit seiner Familie auf Sizilien zurück: Im Schatten des Ätna an der Ostküste der Insel liegt ein kleiner Ort mit dem Namen Giardini Naxos - Es ist ein Ort der Sehnsucht, ein kleines Paradies direkt im Mittelmeer und das perfekte Sinnbild für die Musik, die Antonino in Eigenregie erschafft. Zwischen unbeschwerter Sommerlichkeit und maritimen Urlaubsphantasien liegt eine bittersüße Melancholie, die er mit seiner Mischung aus Elektropop, Indie und Hip Hop zu einem konsequent eigenwilligen Cocktail vermengt. Schließlich ist nicht alles immer nur Urlaub und wo Licht ist, ist auch Schatten. Antonino versteht es in seinen Texten auf intelligente und humorvolle Weise diese Gegensätze aufzuzeigen, zu beschreiben und in kleine Episoden zu verpacken. Die Vielfalt der Stilmittel reicht von grungigen Akustikgitarren, über Trap Beats und Marimbasounds bis hin zu Pauken und Trompeten. Es ist Popmusik, die zu schräg ist für den Fernsehgarten und die gekonnt zwischen Guilty Pleasure und Kritikerliebling pendelt.
Giardini Naxos ist der Urlaubsflirt und das schlechte Gewissen danach, es ist der eine Aperol Spritz zu viel, die Schönheit des Sonnenuntergangs und die Kälte der Dämmerung. Es ist die musikalische Antwort auf eine Welt, die so schön glitzert und gleichzeitig so verdorben ist, weil Sonnenschirm und Regenschirm eigentlich das Gleiche sind. Giardini Naxos ist eine neue Freiheit für Antonino Tumminelli und ein neues Kapitel in seinem kreativen Schaffen, das noch Einige überraschen wird.
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